Waldgeist

Bei vielen indianischen Völkern wurde der Wolf stets als Waldgeist bezeichnet. Nach meiner letzten Begegnung mit diesem faszinierenden Tier kann ich gut nachvollziehen wieso. Ich verbrachte 4 Tage auf einem Trüppenübungsplatz, auf dem seit einigen Jahren ein Wolfsrudel beheimatet ist. In der Vergangenheit hatte ich schon öfter Wolfsbegegnungen gehabt und die Tiere dokumentiarisch fotografieren können. Auch diese Begegnung war für mich wieder einmal eine der schönsten Fotoerlebnisse. Jede Wolfsbegegnung ist einzigartig und anders und läuft nie gleich ab, doch eine Sache haben alle gemeinsam: Die Wölfe tauchen lautlos auf der Bildfläche auf und wenn man nicht aufpasst, bemerkt man sie überhaupt nicht. Macht man dann eine unüberlegte Bewegung sind sie auch sogleich wieder verschwunden, wie ein Waldgeist eben. Dieser Wolf hier, ein Rüde aus dem letzten Jahr, stand auf einmal auf dem Waldweg und verharrte regegunglos, da er eine Bewegung wahrgenommen hatte. Er ließ die Szenerie erst einmal auf sich wirken. Es war an einem warmen Herbstmorgen gewesen, die Luft roch nach feuchtem Herbstlaub und Pilzen, um mich herum warnten ein paar Drosseln. So saß ich versteckt und vertarnt hinter einem Wacholderbusch, mein Objektiv auf den Wolf gerichtet. Ich machte vorsichtig drei Aufnahmen von ihm und wartete dann ab was passieren würde. Der Wolf stand für ein paar Sekunden reglos vor mir, wie versteinert, bis er sich mit eingeklemmter Rute dann langsam trollte. Was mich am meisten an der Situation faszinierte war, wie überlegt und besonnen der Wolf reagierte, nicht panisch aber auch nicht neugierig- ein sehr sehr vorsichtiges Wildtier eben....